Bundesinnenministerium bremst Integrationswillige aus 

Das BMI setzt mit der flächendeckenden Ablehnung von Zulassungsanträgen für Berechtigte wichtige Anreize für Integration aus.

Pressemitteilung

Bundesinnenministerium bremst Integrationswillige aus 

Das Bundesinnenministerium (BMI) setzt mit der flächendeckenden Ablehnung von Zulassungsanträgen für Berechtigte wichtige Anreize für Integration aus. Volkshochschulen (vhs) warnen vor massiven Folgen für den Arbeitsmarkt und das gesellschaftliche Miteinander. 

München, 13.02.2026. Was sich seit Monaten durch nicht bearbeitete Zulassungsanträge für Berechtigte andeutete, ist nun Gewissheit: In seinem Trägerrund­schreiben vom 9. Februar 2026 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die faktische Einschränkung des Zugangs zu Integrations­kursen für freiwillig Lernende offiziell bestätigt. Anträge auf freiwillige Teilnahme werden rückwirkend zum 1. Dezember 2025 und auch künftig bis auf Weiteres abgelehnt. Teilnehmen dürfen nur noch Personen, die von Jobcentern, Trägern der Leistungen nach dem Asylbewerber­leistungs­gesetz, Ausländer­behörden oder Sozialämtern verpflichtet werden.

Von der Einschränkung betroffen sind unter anderem Asylsuchende, Geduldete, Menschen aus der Ukraine sowie Bürgerinnen und Bürger aus der EU. Für rund 130.000 integrations­willige Menschen deutschlandweit stehen künftig lediglich Selbst­lernangebote und in begrenztem Umfang Erst­orientierungs­kurse zur Verfügung. Formate für einen systematischen Spracherwerb werden nicht mehr über Bundesmittel gefördert.

Das Bundesinnenministerium begründet diese drastische Maßnahme mit Sparzwängen, obwohl im Bundeshaushalt nach Nachverhandlungen mit rund einer Milliarde Euro für 2026 fast ebenso viel Mittel zur Verfügung stehen wie 2025 verausgabt wurden.

„Integration ist keine Sozialleistung, sondern eine Investition in die Zukunft einer stabilen Wirtschaft und einer starken Gesellschaft.“
Dr. Regine Sgodda, Vorstand des Bayerischen Volkshochschulverbands

„Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Wer motivierten Menschen den Zugang zu Integrations­kursen verwehrt, behindert Integration und verschärft bestehende Probleme, statt sie zu lösen“, erklärt Dr. Regine Sgodda, Vorstand des Bayerischen Volkshochschulverbands (bvv). „Gerade in Zeiten massiven Fachkräftemangels ist diese Entscheidung volkswirtschaftlich kurzsichtig und gesellschaftlich riskant.“ Bleibt die sprachliche Integration aus, verlängere sich die Abhängigkeit von Sozialleistungen, während sich gleichzeitig der Fachkräftemangel weiter verschärfe. Prognosen zufolge werden in Deutschland bis 2035 über sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen.

Ohne Anspruch auf Teilnahme müssen die Betroffenen Integrationskurse selbst finanzieren. Für viele Zugewanderte stellt dies eine kaum überwindbare Hürde dar. „Menschen, die aus eigenem Antrieb Deutsch lernen und arbeiten wollen, werden ausgebremst. Das ist integrations­politisch das falsche Signal“, so Dr. Regine Sgodda.

Kurse fallen weg, Strukturen geraten ins Wanken

Für die Volkshochschulen, die bundesweit nahezu jeden dritten Integrationskurs durchführen, hat diese Entscheidung gravierende Folgen. Nach Schätzungen des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV) machten freiwillig Teilnehmende zuletzt rund 55 Prozent aller Kursteilnehmenden aus. Ohne diese Gruppe wird in vielen Regionen die vom BAMF vorgeschriebene Mindest­teilnehmerzahl für Kursstarts nicht mehr erreicht.

Die Folgen sind bereits absehbar: Integrationskurse müssen abgesagt werden, Wartezeiten für verpflichtete Teilnehmende verlängern sich erheblich und bewährte Strukturen geraten unter massiven Druck. Lehrkräfte verlieren ihre Honorarverträge, festangestelltes Personal ist von Kurzarbeit oder Kündigungen bedroht und angemietete Unterrichtsräume bleiben ungenutzt, verursachen jedoch weiterhin Kosten. 

„Volkshochschulen sind seit über 20 Jahren verlässliche Partner des Bundes in der Integrationsarbeit. Die kurzfristige Bestätigung einer seit Monaten faktisch wirksamen Einschränkung entzieht dieser erfolgreichen Arbeit die Grundlage und zerstört dringend benötigte Planungssicherheit“, betont Dr. Regine Sgodda.

In Bayern sind die Auswirkungen gravierend: nach Schätzungen des bvv ist mit einem Wegfall von rund 1.500 Integrationskursen bayernweit zu rechnen. Rund 27.000 Menschen verlieren mit der Entscheidung des BMI ihren Anspruch auf Teilnahme an Integrationskursen. 

Wie viele Integrationskurse tatsächlich zustande kommen, hängt maßgeblich davon ab, ob die Mindestteilnehmerzahl ohne freiwillig Teilnehmende erreicht wird. Besonders in ländlichen Regionen droht ein massiver Angebotsabbau. In der Folge finden selbst verpflichtete Teilnehmende zunehmend keinen Kursplatz mehr. 

Keinerlei vorbereitende Kommunikation – große Verunsicherung 

Der Bayerische Volkshochschulverband zeigt sich verwundert, wie eine solche Entscheidung von enormer politischer Tragweite ohne Einbindung des Bundestags und ohne frühzeitige Information an die Träger, Betroffenen, Behörden und Beratungsstellen erfolgen kann. Übergangsregelungen sind nicht vorgesehen. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, um das Integrationskurssystem zukunftsfähig weiterzuentwickeln, sieht anders aus! 

Kontakt

Lena Pirzer
Loredana La Rocca

Lena Pirzer

Leiterin

Marketing und Kommunikation

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