Führende Organisationen der Zivilgesellschaft gründen Pakt für BNE in Bayern

47 führende Organisationen der Zivilgesellschaft haben sich zum Pakt für BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung inklusive Klimabildung) in Bayern zusammengeschlossen.

Loredana La Rocca

Die dringend notwendige Transformation hin zu einer ökonomisch, gesellschaftlich und ökologisch nachhaltigen Entwicklung des Planeten Erde erfordert auch einen Paradigmenwechsel im Bildungssektor. Um diesen in Bayern zu erreichen, haben sich jetzt 47 führende Organisationen der Zivilgesellschaft zum Pakt für BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung inklusive Klimabildung) in Bayern zusammengeschlossen. Das breit aufgestellte neue Aktionsbündnis schafft damit erstmals in Bayern eine übergreifende Basis für ein starkes Signal an die Politik – für einen Paradigmenwechsel hin zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedete Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung ist die Grundlage für diese jetzt im Rahmen des Pakts für BNE geforderte Transformation. „Die Klima- und Artenvielfaltskrise, der Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen, Armut und Krieg sind Generationenherausforderungen und erfordern das unverzügliche und entschlossene Handeln aller. Die wichtigste Aufgabe der Menschheit ist es, jetzt die notwendige gesamtgesellschaftliche Transformation zu schaffen – hin zu einer ökonomisch, gesellschaftlich und ökologisch nachhaltigen Entwicklung des Planeten Erde. Diese Aufgabe ist genauso gewaltig wie zwingend notwendig. Dazu brauchen wir aber viel mehr als Ideen, Maßnahmen und Prinzipien. Wir brauchen eine neue Generation von Menschen, die in der Lage ist, die Kluft zwischen Wissen und Handeln zu überbrücken, die Partizipation lebt und eigene Gestaltungskompetenzen wahrnimmt, entwickelt und diese umsetzen will und kann. Diese Umsetzung in der Bildung fordern Kinder, Jugendliche und Erwachsene schon seit Langem und mit zunehmendem Nachdruck. Es ist jetzt höchste Zeit, dem nachzukommen“, so die Erstunterzeichner des Pakts in ihrem gemeinsamen Statement.

BNE muss zu einer Grundlage aller Bildungsprozesse werden

Um die von der UNESCO klar benannten Handlungsfelder zu adressieren und die Ziele einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im schulischen und außerschulischen Umfeld umzusetzen, haben die Erstunterzeichner im Pakt für BNE Prinzipien für die Umsetzung formuliert. Die ausführliche Version des Pakts ist online verfügbar (s. auch Download in der rechten Spalte).

  • BNE als Leitprinzip: BNE muss in allen Bildungseinrichtungen, allen Schulformen und allen Teilen der Gesellschaft integraler Bestandteil der Praxis werden – alle müssen mitgenommen werden.
  • Kluft zwischen Wissen und Handeln überwinden: Ein zentrales Ziel von BNE ist die Vermittlung relevanter Wissensinhalte, die Überwindung der Kluft zwischen Wissen und Handeln durch die Förderung von Gestaltungskompetenzen sowie der Aufbau von Selbstwirksamkeitserfahrungen in einem Umfeld, das von Partizipation und Mitverantwortung geprägt ist.
  • Ganzheitlich transformieren: Wir brauchen einen Paradigmenwechsel im Bildungssektor mit flächendeckenden trägerübergreifenden BNE-Angeboten und Maßnahmen.
  • Freiräume schaffen: Für die Umsetzung von BNE als Bildungskonzept müssen Freiräume geschaffen werden, durch Maßnahmen wie eine stärkere Öffnung der Lehrpläne und Stundentafeln sowie mehr Zeit und Raum für partizipatives, kooperatives und transformatives Lernen.
  • Professionalität verankern: BNE muss ein wesentlicher Bestandteil der Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften werden mit flächendeckenden Qualifizierungsangebote für BNE-Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in allen Bildungsbereichen.
  • Netzwerke schaffen: Bildungsinstitutionen müssen sich verstärkt nach außen öffnen, mit lokalen Akteuren vernetzen und die nachhaltige Transformation unmittelbar miterleben und mitgestalten. Ein Ziel dieser Netzwerke ist die möglichst intensive Beteiligung aller Mitglieder unserer diversen Gesellschaft.
  • Qualität gewährleisten: Der Stand der Umsetzung sowie Angebote und Maßnahmen zur BNE sollten kontinuierlich wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden, um Transparenz zu schaffen und ein hohes Maß an Qualität gewährleisten zu können.

Notwendige politische Maßnahmen

Obwohl BNE auf höchster Ebene erklärtes Handlungsziel aller Staaten ist, passiert nach Ansicht der Erstunterzeichner des Pakts für BNE politisch noch viel zu wenig. BNE ist eine überparteiliche Kernaufgabe und erfordert eine zielstrebige und effiziente Zusammenarbeit über Partei-, Landes- und Ministeriumsgrenzen hinweg. Deshalb wurden folgende Forderungen an die bayerische Landespolitik formuliert:

  • Bayerische Landesstrategie für BNE: Bayern braucht eine wegweisende, konkrete und verbindliche Landesstrategie für BNE nach dem Beispiel Schleswig-Holsteins.
  • Bayerischer Masterplan für BNE: Zur Umsetzung braucht es einen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft partizipativ erarbeiteten Masterplan nach dem Beispiel Hamburgs und einen entsprechenden BNE-Erlass nach dem Beispiel Niedersachsens.
  • Ressourcen: Für eine so zentrale und zukunftsweisende Aufgabe müssen erheblich mehr staatliche Mittel zur Umsetzung von BNE auf allen Ebenen sowie langfristige Finanzierungssicherheit für die beteiligten Akteure bereitgestellt werden.
  • Unterstützungsstrukturen: Es braucht effiziente Strukturen für Information und Vernetzung, Wissens- und Methodentransfer aller Beteiligten (analog und digital), die von den verantwortlichen Ministerien koordiniert und gepflegt werden und einem Monitoring unterliegen.

Gesellschaftlichen Konsens in die Bildung übertragen

Die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedete „Agenda 2030“ und die darin enthaltenen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind die weltpolitische Grundlage für die Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung des Planeten Erde. Der „Nationale Aktionsplan“ zur Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung 2017 konkretisiert diese Ziele für den deutschen Bildungssektor. Er wird untermauert von der Neuauflage der „Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie“ 2021.

Die „Berliner Erklärung“ der UNESCO-Weltkonferenz 2021 unterstreicht die Dringlichkeit der Bildung für nachhaltige Entwicklung nochmals. Die Ziele für den Zeitraum 2020-2030 werden im UNESCO-Programm „Bildung für nachhaltige Entwicklung: die globalen Nachhaltigkeitsziele verwirklichen“ (BNE 2030) formuliert. Das jetzt als „Pakt für BNE“ gegründete Aktionsbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, die Diskrepanz zwischen diesen klar formulierten gesamtgesellschaftlichen Zielen und der Bildungsrealität in Deutschland und in Bayern aufzulösen.

Angelehnt an die Vorbilder Hamburgs und Niedersachsens soll BNE damit als Bildungsprinzip für alle Bereiche von der frühkindlichen bis zur Erwachsenenbildung im Sinne des lebenslangen Lernens im Bildungssystem umgesetzt werden. Der Pakt für BNE in Bayern ist eine offene Plattform und lädt alle gesellschaftlichen Akteure zur Teilhabe und Mitgestaltung ein.

Pakt für BNE

47 führende Organisationen der Zivilgesellschaft haben sich im Aktionsbündnis Pakt für BNE in Bayern in einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen:

Akademie N – Neumarkter Akademie für Nachhaltigkeit gGmbH,Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL), Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bayern e.V. (ANU), Bayerische Fischerjugend, Bayerische Schulgeographen, Bayerischer Elternverband e.V. (BEV), Bayerischer Jugendring (BJR), Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V., Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV e.V.), Bayerischer Städtetag, Bayerischer Volkshochschulverband e.V. (bvv), Bildungswerk für Schülervertretung und Schülerbeteiligung e.V. (SV-Bildungswerk), BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), Bundesverband Aktion Humane Schule e.V., Bündnis ZukunftsBildung, Die Umwelt-Akademie e.V., Eine Schule für Alle in Bayern e.V., Eine Welt Netzwerk Bayern e.V., Energieagentur Ebersberg-München gGmbH, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern (GEW), Greenpeace e.V., Grundschulverband e.V. Landesgruppe Bayern, Grüne Jugend Bayern, Hochschule für angewandte Wissenschaften München, Johanniter-Jugend, jusos Bayern, Kreisjugendring München-Land (KJR M-L), Landes-ASten-Konferenz Bayern (LAK), Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV), Lernwirkstatt Inklusion e.V., Münchner Initiative Nachhaltigkeit (MIN), Netzwerk Hochschule und Nachhaltigkeit Bayern, Netzwerk Klimaherbst e.V., Nord Süd Forum Aschaffenburg e.V., Nord Süd Forum München e.V., oekom e. V. – Verein für ökologische Kommunikation e. V., Ökologische Akademie e.V., Ökoprojekt MobilSpiel e.V., Professur für Geographiedidaktik und BNE der KU Eichstätt, Schule im Aufbruch, Schweisfurth Stiftung, Shaere – Bildungs-und Kulturstätte in München Neuperlach, Stiftung Bildung, Teachers for Future Germany e.V., WWF Deutschland, youpaN, Zentrum für Lehrerbildung und Fachdidaktik der Universität Passau

Weiterführende Informationen:

Über den Pakt für BNE:

Der Pakt für BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) ist ein breites Aktionsbündnis von 47 führenden Organisationen aus unterschiedlichsten Bereichen der Zivilgesellschaft. Mit der Unterzeichnung des Pakts für BNE haben sich 47 Erstunterzeichner im Juli 2022 zusammengeschlossen um BNE als Bildungsprinzip für alle Bereiche von der frühkindlichen bis zur Erwachsenenbildung im Sinne des lebenslangen Lernens umzusetzen. Dies erfordert einen grundlegenden Haltungswechsel und eine strukturelle Verankerung von BNE im gesamten Bildungswesen (formal, non-formal und informell).

Über den Bayerischen Volkshochschulverband:

Der Bayerische Volkshochschulverband e.V. (bvv) ist größter Träger der Erwachsenenbildung in Bayern und staatlich anerkannte Landesorganisation rund 190 bayerischer Volkshochschulen (vhs). Die Volkshochschulen sind flächendeckend mit insgesamt 1.000 Standorten in Bayern vertreten. Jedes Jahr besuchen rund 2,5 Mio. Menschen in Bayern die Volkshochschule.

„Wir freuen uns, zu den Erstunterzeichnern des Pakts für BNE zu gehören. Die Rolle der Erwachsenenbildung mit ihrer flächendeckenden und kommunal verankerten Infrastruktur ist im Prozess der Transformation ganz entscheidend. Bereits im Dezember 2021 haben die bayerischen Volkshochschulen im Rahmen unserer Mitgliederversammlung die ‚Erlanger Erklärung: Bildung für nachhaltige Entwicklung an und mit Volkshochschulen‘ verabschiedet. Damit senden wir ein Signal an die Kommunen, dass wir für sie als zentraler Bildungspartner für die Umsetzung einer kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie vor Ort zur Verfügung stehen“, so Dr. Regine Sgodda, Vorstand des Bayerischen Volkshochschulverbandes, und weiter: „Gerade das Handlungsfeld ‚Professionalität verankern‘ des BNE-Pakts unterstützt der bvv mit vielfältigen BNE-Fortbildungen und Sensibilisierungstrainings für Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung. In unserem Praxisworkshop ‚Mehr Nachhaltigkeit in meinem Kurs!‘ für Dozent*innen aller Fachbereiche lernen die Lehrkräfte z.B. Inhalte, Methoden, Materialien, Lernorte und Formate für eine geeignete Vermittlung der 17 SDGs kennen. Es gibt außerdem natürlich zahlreiche Beispiele kreativer Bildungsformate, z.B. ‚klimafit-Kurse‘, ‚Umwelttage‘ oder ‚Faire Wochen‘, worüber die Volkshochschulen die Komplexität des Problems erklären, Handlungsoptionen aufzeigen und den Raum bieten, nachhaltige Aktivitäten in der Region mitzugestalten. Der Bayerische Volkshochschulverband veranstaltet in Kooperation mit dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg und der Außenstelle Stuttgart von Engagement Global am 17. und 18. Oktober dazu auch die Fachtagung ‚Global.Nachhaltig.Wirtschaften – BNE in der Erwachsenenbildung‘, um dem programmplanenden, pädagogischen Personal an den Volkshochschulen, aber auch kommunalen Vertreter*innen, neue Impulse, Ideen und Umsetzungsbeispiele aufzuzeigen, wie in Bildungsangeboten fairer Handel und nachhaltiges Wirtschaften noch mehr berücksichtigt werden kann.“

Kontakt

Lena Pirzer
Loredana La Rocca

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